Frankenberger Reservisten beim legendären "Grenadier" in Österreich
28.06.09 /04.07.09 - Villach in Österreich
www.grenadier.at

 

Hier der Bericht vom Mannschaftsführer OLt d.R. Scharschuh.

Sonntagmorgen, 7 Uhr. Ich mache mich auf den Weg nach Leipzig. Ankunft 13:30 Uhr. Die ersten 500 km sind geschafft. Drei Kameraden steigen zu. Ein bunt gewürfelter Haufen, von denen sich nur wenige schon einmal gesehen hatten. Und noch einmal geht es auf die Autobahn ab nach Österreich.
Vier spannende Tage stehen vor uns und wir spekulieren über das, was uns wohl erwartet.

Nach gut 730km und sieben Stunden Fahrt, Mautstraßen und einem Hochgebirgspanorama, dass erahnen lässt, auf was wir uns da eingelassen haben, erreichen wir das Ziel, den Übungsplatz Marwiesen, nahe der Stadt Villach.

Für den Abend sind wir die letzten Ankömmlinge. Wir beziehen schnell unsere Unterkunft und suchen erste Kontakte.

 

Montagmorgen. Antreten. Nach ersten Problemen passen die Kommandos in einer Mischung aus Deutsch und Englisch gut. Die Formation steht und eine Einweisung findet statt.

Nachdem das Starterfeld geteilt ist, beginnt für unsere Hälfte die Ausbildungen an Waffen und Gerät. Neben den Standardwaffen wird eine Minen- Ausbildung und San- Ausbildung geboten. Verpflegen und nun geht’s richtig los.
Einrücken ins Mannschaftszelt um einen Wissenstest quer über Militär- und Politwissen
abzulegen und dann heißt es aufsitzen. Der 3,5 Tonner Unimog bringt uns ca. 7 km entfernt mitten in die Pampa. Absitzen und nun starten die Teams mit kurzer Verzögerung.

Sieben Stationen „Schnipseljagd“ quer Feld ein, über Stock und Stein. Berg hoch und Berg runter. Die ersten Kameraden fangen an schwer zu atmen und zeigen bereits erste Ausfallerscheinungen. Doch egal, von Anlaufpunkt zu Anlaufpunkt, es gehrt weiter. Neben zu grob eingezeichneten Zielen, über mehrfach zu überwindende Höhen hinweg peinigen wir uns bis ins Ziel. „Der Tag ist geschafft!...“ denk ich mir so, und fühle mich bereits wie nach einer Sachsenkrone.

 


Dienstagmorgen, 5:00 Uhr wecken, 6Uhr Abfahrt. Es geht, ca. 25km entfernt an einen Berg. Höhe 2126m. Auf dem Dienstplan ist aufgeführt, dass es heute um das begehrte Edelweiss-Abzeichen geht, für das man mind. 1600 Höhenmeter mit Gepäck zurücklegen muss. Dienstschluss ist für 23:30 Uhr angesetzt. Ich wundere mich bereits kurz nach dem Start, da die Zeitangabe auf den Schildern für den Aufstieg mit 5 Stunden angegeben ist, das wir niemals so lange bis Mitternacht brauchen und freue mich schon auf einen ruhigeren Nachmittag.

Von wegen! Nach unserer Ankunft am Gipfelkreuz verweist man uns nach einem Willkommensbild einfach in Richtung eines Sammelpunkts.

„ Da beginnt die Stationskette für heute...“ Ähhhh, ich denke ich höre nicht richtig. Nach dem Aufstieg soll es noch weiter gehen?!?! Nun gut, klagt nicht kämpft ist das Motto und damit auf in den Kampf. Als wir dann in tiefster Nach und gegen 23:00 Uhr im Nachtlager eintreffen und als letzte Station für den Tag unser eigenes Zelt auf Zeit aufbauen, weiß ich warum mich der Dienstplan vorgewarnt hat. Irgendwann nach Mitternacht und einer Schüssel Chili Concarne sind wir im Traumland angekommen.

Dazwischen lagen sechs Stationen wie Erstversorgung eines Minenopfers, Minen aufspüren, Abseilen von einer Talsperre, Rollbahn und Gelände/Zielbeobachtung sowie Meldungen, und viele Kilometer an Marschstrecke.


Nun beginnt der Tag 3 mit Wecken um 5Uhr. Die erste Aufgabe für diesen Tag ist eine Gewässerüberquerung. Genau das richtige um aus der verschlafenen Situation in den Tag zu starten. Außerdem besser als ungeduscht.

Die Teams verlassen eines nach dem anderen das Nachtlager und begeben sich auf den ersten Abschnitt des Tages. Der Auftrag: Unerkannt vom Feind, nur an Hand einer Skizze, für die man 1min Zeit hatte, ca. vier Kilometer Distanz zu überbrücken.

 

Das klingt im Anfang nicht schwer, stellt sich jedoch als sehr viel komplizierter dar, wenn man bedenkt, dass dazwischen zwei Gipfel um die 1200 m stehen. 
Der Weg führt uns durch Bachläufe, kleine dichte Nadelwälder und meist immer steil Bergauf. Meine Füße haben sich schon seit gestern verabschiedet und werden nur noch durch Tape und Blasenpflaster zusammengehalten. Die originalen BW Stiefel taugen für so was einfach nicht.

Nach ca. 4h Marsch kommen wir an der ersten Station für diesen Tag an. (Ja, die ERSTE!) Die Aufgabe besteht im Zusammensetzen eines österreichischen Funkgerätes und dem Verschlüsseln und Absetzen einer Statusmeldung. Gesagt getan, sogar gar nicht mal schlecht.
Und nun auf zur nächsten Station!... Oh nein!, genau die andere Richtung, nur wenig
Abweichung, jedoch nicht im Auftrag: Feind umgehen, nicht erkannt werden, Querfeldein!
Nein! Ca. 200 Höhenmeter über uns befindet sich laut Karte ein Weg. Wir sind noch
enthusiastisch und beschließen in einem vollen Bachlauf einfach Berg auf zu marschieren.
Über den ganzen Gipfel wollen wir nicht. Eigentlich. Zwei weitere Stunden später, wir stehen
im Nirgendwo genau vor einer Steilwand, die in die Tiefe führt. Die Karte hat hinten und vorne nicht hingehauen und wir sind kaum vorangekommen.

Nun der verwegene Entschluss: Wir gehen doch genau drüber. Also Marschkompasszahl in den Kompass eingestellt und auf geht’s. Querfeld ein. Nach der Spitze kommt der Abstieg und freu mich auch noch über meine Gedanke. Nicht lange. Es geht mit durchschnittlich ca. 30 ° immer weiter hinunter. Wir verringern unsere Höhe Meter um Meter. Toll: Ich habe jetzt nicht nur Blasen hinten am Fuß, nein, jetzt auch vorn und an den Seiten! Jipi!

Ich denke schon das endet nie, da erreichen wir einen Weg, der oberhalb des Zielgebietes verläuft. Geschafft mit dem Weg. Nun folgt noch Stationen wie das Schießen mit der Glock P80 und Handgranaten werfen. Abschluss soll für heute die FX Station sein, bei der wir mit Übungswaffen eine Geisel befreien sollen. Doch es ist bereits zu spät. Wir werden erst morgen drankommen. Nichts desto trotz wird heute noch an die erfolgreichen Bergerklimmer das „Edelweiß“ verliehen. Jeder ist stolz als er es verliehen bekommt, sind doch auch Teilnehmer angetreten, die keines überreicht bekommen.


Donnerstagmorgen und einer Nacht im eigenen Holzbett geht es weiter. Eigentlich sollte heute nur Schießen sein. Doch für uns beginnt der Tag mit FX. Wir legen die Schutzkleidung an und lassen und auch von dem gespielt übernervösen Statisten nicht verleiten die Waffe voreilig zu ziehen. Geisel erfolgreich befreit und alle bewaffneten Kräfte zielsicher bekämpft. So muss das sein. 95von 100 Punkten. Das Schießen findet den gesamten Tag statt. Scharfschützengewehr, Panzerfaust simuliert, das Sturmgewehr und MG-Schießen werden von uns absolviert. Schon ein schönes Erlebnis, wenn man wirklich mal alles schießen darf.

Danach beginnt die Nachbereitung. Die Betreuer des Wettkampfes bauen bereit den Antreteplatz für die Siegerehrung auf und üben den Flaggenappell.

Gegen 20 Uhr, wir treten an und vier fordernde, jedoch auch begeisternde Tage gehen dem Ende entgegen.

Auf Grund eines Ausfalls schon zu Beginn, konnten wir leider nur einen Platz im unteren Drittel erreichen. Schade. Nächstes Jahr greifen wir mit leistungsfähigem Ersatz und einem komplett fitten Team erneut an und sind dann sicher ganz vorn mit dabei.

Der Kameradschaftsabend rundet den Wettkampf gelungen ab und nachdem einige Ausrüstung und Uniformen getauscht sind, geht auch der Letzte gegen 4:30 Uhr ins Bett.

Grenadier 2009 meldet sich ab! BuhJah!

 

OLt d.R. Tom Scharschuh